MUSIKGESCHICHTE(N)

14. April

14. April 1963

Die Beatles drehen gerade einen Auftritt in der Show „Thank Your Lucky Stars“ in einem nahegelegenen Studio und besuchen den Crawdaddy Club im englischen Richmond, wo die aufstrebenden Rolling Stones auftreten. Die Bands treffen sich zum ersten Mal hinter der Bühne und verbringen den Abend miteinander.
https://youtu.be/VXvBjRefBNU?si=dewy8DEJmg7CrKfg

MUSIKGESCHICHTE(N)

13. April

13. April 1962

Am 13. April 1962 öffnet der legendäre Star-Club auf Hamburg-St. Pauli. Statt Schlagermusik sind hier Rock ’n‘ Roll und Beat angesagt. Auf der Bühne stehen am ersten Abend auch die noch unbekannten Beatles.

„One, two, three, four…“: Am Freitag, den 13. April 1962 um 20 Uhr, eröffnet der Star-Club im Rotlichtquartier auf St. Pauli. Endlich gibt es in Hamburg einen Musik-Club für Rock’n’Roll, einer Musik, die das Lebensgefühl der damaligen Jugend widerspiegelt, die das Aufbegehren gegen die gesellschaftlichen Zwänge ausdrückt. Das provokante Plakat zur Eröffnung des Clubs in der Großen Freiheit 39 ist schon bald in aller Munde: „Die Not hat ein Ende! Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei.“ Mit Dorfmusik ist Schlagermusik gemeint, die in Radio und Fernsehen den Ton angibt.

Am ersten Abend spielen die Beatles

Das Konzept: Jede Nacht Live-Musik von nicht nur einer, sondern vier Bands, bis morgens um 6 Uhr. Am ersten Abend gehören die Beatles – damals noch weitgehend unbekannt – zu den Musikern. Ihre Gage liegt bei 500 Mark pro Mann und Woche, so viel Geld haben sie bis dahin noch nie bekommen. Insgesamt 79 Mal stehen die „Fab Four“ aus Liverpool bis Ende 1962 auf der Bühne und begründen damit ihre Weltkarriere.

Horst Fascher: Vom Schiffszimmermann zum Musikpromoter

Die Idee zum Star-Club hat Horst Fascher, ehemaliges Hafenkind und gelernter Schiffszimmermann mit einer angefangenen Karriere als Profi-Boxer und verurteilt wegen Totschlags. „Im Sommer 1949 schlich ich heimlich auf die Reeperbahn. … aus den offenen Türen des Trichters klang etwas, das mich magisch anzog. Dort saß ein dicker schwarzer Mann am Piano, George Maycock. Ein phantastischer Musiker, mit einem für mich vollkommen neuen Sound – Rhythym & Blues. Diese Musik – ein Vorläufer des Rock ’n‘ Roll – war eine Erweckung für mich. Von nun an wurde Musik ein ganz wichtiger Teil meines Lebens“, heißt es in Faschers Biografie „Let the good times roll!“.

Deshalb zögert er auch nicht, als er die Möglichkeit hat, Ende der 50er Jahre als Aufpasser und Tresenmann im Kaiserkeller anzufangen. Dort wird Rock ’n‘ Roll gespielt – live. „Dort spielte die Musik, ein irischer Sänger namens Tony Sheridan rockte das Haus und uns junge Leute um den Verstand. Das war es, was ich wollte.“   

Im Star-Club reichen sich in den 60ern die Stars das Mikro in die Hand – wie etwa Little Richard im Oktober 1962.

Als Fascher Anfang der 60er Jahre Manfred Weissleder kennenlernt, Porno-Produzent und Besitzer einiger Kneipen und Striptease-Läden, wird sein Traum von einem Rock ’n‘ Roll-Laden Wirklichkeit – Weissleder gibt das Geld. Little Richard, Bill Haley, Gene Vincent treten im Star-Club auf, Fats Domino, Lee Curtis, Chubby Checker und Ray Charles. Zu den Sensationen gehören auch die Everly Brothers und Jerry Lee Lewis. Deutsche Musiker bekommen ebenso ihre Chance, zum Beispiel Achim Reichels Band The Rattles.

Begeistert feiern 1964 die Gäste des Star-Clubs auf St. Pauli den amerikanischen Musiker Chubby Checker.

Fast eine Million Besucher hat der Star-Club fortan jährlich. Zum Markenzeichen wird seine Atmosphäre: dunkel, rappelvoll und das Publikum hautnah an den Musikern dran. Viele Hamburger, auch die sogenannten feinen Söhne und höheren Töchter, verbringen hier ihre Jugend. Der dämmrige Club ist für sie ein Stück Freiheit in der von Autoritäten und Zwängen geprägten Adenauer-Ära. Ihren Eltern, die Peter Alexander, Freddy Quinn, Fred Bertelmann, Udo Jürgens und Mireille Matthieu hören, passt das nicht. Für sie ist die Musik ihrer Kinder Lärm. Und ihnen passt es nicht, dass sich ihre Kinder auf der Vergnügungsmeile herumtreiben.

Mit dem Geld von Manfred Weissleder kann Horst Fascher seinen Traum realisieren.

Schon ab 1963 gibt es immer wieder Ärger mit dem Ordnungsamt. Manfred Weissleder ist den Ordnungshütern ein Dorn im Auge und sie versuchen, ihm das Leben mit immer neuen Auflagen und Ausweiskontrollen der Gäste schwer zu machen – ein Grund, weshalb die Rolling Stones nie gebucht werden: „In der Öffentlichkeit galten sie als das komplette Gegenteil der Beatles. Die Pilzköpfe waren trotz ihrer für die damalige Zeit langen Haare sauber und ordentlich, geradezu bildhafte Schwiegersöhne. Die Stones dagegen wirkten schmuddelig und waren als wildgewordene Rowdies verschrien. Ständig besoffen und auf Drogen“, so Horst Fascher einst rückblickend. Die Hippie-Zeit ist noch nicht angebrochen und Betäubungsmittel sind alles andere als salonfähig. „So etwas konnten wir uns im Star-Club – zumindest offiziell – gar nicht leisten.“

Die Disco kommt – und der Niedergang ist nicht aufzuhalten.

Im September 1967 – Horst Fascher verbüßt eine dreijährige Gefängnisstrafe wegen schwerer Körperverletzung und hat im Anschluss St. Pauli-Verbot – gibt Weissleder auf und verpachtet den Star-Club. Aber der Niedergang des Clubs ist nicht mehr aufzuhalten, denn auch die Zeiten und ihr Musikgeschmack haben sich geändert. Rock-Gruppen spielen in großen Hallen und sind zu teuer für kleine Clubs. Discos sind der neue Renner. Silvester 1969 ist Schluss.

Nachmieter wird René Durand mit seinem Erotik-Theater Salambo. Am 18. Februar 1983 wird das Haus durch ein Großfeuer vernichtet. 1978 versucht Horst Fascher am Großneumarkt mit einer Star-Club-Neueröffnung sein Glück – und scheitert. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an das einstige Mekka der Rock-Musik.
https://youtu.be/YhgEHrGSSg8?si=Cwc1wjiEcrjoJUIh

MUSIKGESCHICHTE(N)

11. April

11. April 1965

Was für ein Line-Up? Beim New Musical Express Poll Winners Concert in London treten folgende Bands am 11.4.1965 auf: (u. a. gemeinsam in einem Konzert The Rolling Stones and The Beatles und vor allem THEM mit Van Morrison (sehenswert))
Introduction by Jimmy Saville
The Moody Blues –
Freddie And The Dreamers –
Georgie Fame And The Blue Flames
The Seekers
Herman’s Hermits
The Ivy League And Division Two –
Sounds Incorporated
Wayne Fontana And The Mindbenders
The Rolling Stones –
Cilla Black With Sounds Incorporated
Donovan
Them
The Searchers
Dusty Springfield With The Echoes
The Animals
The Beatles
The Kinks
https://youtu.be/RD5OjFIVxqI?si=kwyi8x6qjlHu06QY

MUSIKGESCHICHTE(N)

10. April

10. April 1969
Jane Birkin und Serge Gainsbourgs Duett: „Je T’aime – „Moi Non Plus“ erreicht Platz 1 in Großbritannien, wo es von der BBC verboten wird.
Entstanden war das Lied in der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 1967. Gainsbourg – der in den 1960er Jahren als Frauenheld galt – schrieb es als Duett für seine verflossene Liebe Brigitte Bardot. Obwohl diese seit Juli 1966 mit Gunter Sachs verheiratet war, ging sie Ende Oktober 1967 mit Gainsbourg ins Studio und nahm das Lied zusammen mit ihm auf. Es sollte am 5. Dezember 1967 erscheinen. Wenige Tage vor diesem Datum jedoch bat sie ihn in einer handschriftlichen Mitteilung, das Lied aus Rücksicht auf die Gefühle ihres Ehemanns unter Verschluss zu halten. Gainsbourg veranlasste die Schallplattenfirma, die bereits gepressten 40.000 Singles auf seine Kosten vernichten zu lassen. Erst 1986 gab Bardot es zur Veröffentlichung frei.
Im Jahr 1969 folgte der zweite Anlauf mit Gainsbourgs damaliger Partnerin Jane Birkin. In dem Lied haucht Birkin zu einer eingängigen, sanften Hammond-Orgel Melodie ein zärtliches «Je t’aime » (ich liebe dich), das sich im Verlauf des Liedes immer mehr zu einem Luststöhnen mit hoher Atemfrequenz steigert. Ebenso unverblümt und provokant ist der Text. Gainsbourg singt «Comme la vague irrésolue je vais, je vais et je viens entre tes reins» („Wie die ziellose Welle gehe ich, ich gehe und komme zwischen deinen Lenden“) mit sanftem Drängen und Birkin wiederholt es noch einmal in hoher, erregter Stimme; gegen Ende singt sie: «Maintenant, viens!» („Jetzt, komm!“)
Der Song war zunächst Bestandteil der in London aufgenommenen LP Jane Birkin and Serge Gainsbourg, wurde als Single aus dieser LP ausgekoppelt und am 27. Juni 1969 veröffentlicht. Sofort entstand ein handfester Skandal, weil konservativen Kreisen bereits die akustischen Hinweise zu erotisch erschienen und deshalb eine weitere Verbreitung verhindert werden sollte.
Das Lied wurde in vielen Ländern von den Radiostationen boykottiert – was die Popularität nur noch steigerte – und von wertkonservativen Institutionen so sehr bekämpft, dass der Protest des Vatikans sogar zur kurzzeitigen Verhaftung des Verantwortlichen der Plattenfirma führte. Der zuständige Vertriebsleiter der italienischen Plattenfirma wurde sogar exkommuniziert. Diese Widerstände schienen die Verkaufszahlen zu fördern: In Frankreich alleine wurde der Titel 750.000 Mal verkauft, in Großbritannien wurden 250.000 Exemplare umgesetzt, weltweit über zwei Millionen. Das Lied wurde damit zu einem Millionenseller und Kultsong.
https://youtu.be/GlpDf6XX_j0?si=TPYYn1Pyenwd6Slk

MUSIKGESCHICHTE(N)

3. April

3. April 1960

Elvis Presley nimmt „It’s Now or Never“ in Nashville im RCA Studio B auf. Mit einer Melodie aus dem Lied „O Sole Mio“ von 1907 weicht das Lied zwar vom Rock’n’Roll ab, wird aber ein Riesenhit und ist, wie Elvis später sagt, sein Lieblingslied von allen seinen Aufnahmen.
https://youtu.be/Uwelrtb8Oho?si=nKZoEnOXV7eBSExs

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31. März

31. März 1967
Im Astoria Theatre in London zündet Jimi Hendrix zum ersten Mal seine Gitarre an und wird nach der Show mit leichten Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht. Während der restlichen Tour wird es für Hendrix zur Gewohnheit, seine Gitarre mit den Zähnen zu spielen, und er zündet seine Gitarre noch ein paar Mal an.
Trotz Hendrix‘ Ruf, Instrumente während seiner Auftritte zu zerstören, kann das Publikum kaum mit einem so brenzligen Vorfall rechnen: The Jimi Hendrix Experience stehen ganz unten auf dem Programm und eröffnen für drei deutlich andere Acts: The Walker Brothers, Cat Stevens und den Crooner Engelbert Humperdinck.
Als die Band ihr neues Lied „Fire“ spielt, wirft Hendrix seine Gitarre auf die Bühne, was ein Inferno von Feedback auslöst. Während das Publikum abgelenkt ist, besprüht der Bandmanager Chas Chandler das Instrument mit Feuerzeugbenzin (das zuvor von einem Roadie am Tag gekauft wurde). Hendrix zündet dann mehrere Streichhölzer an, bis die Stratocaster schließlich in Flammen von etwa einem Meter Höhe aufgeht.
In der Hitze des Moments merkt Hendrix nicht, dass er sich die Hände verbrannt hat. Nachdem das Feuer gelöscht ist, beendet er das Lied mit einer anderen Gitarre. Nach der Show geht er ins örtliche Krankenhaus, um sich wegen der leichten Verbrennungen behandeln zu lassen.
Die Aktion wurde vom Rockjournalisten Keith Altham vorgeschlagen und trägt sicherlich zur Medienberichterstattung über den heißen jungen Star bei. Das Abbrennen einer Gitarre wird fortan zum zentralen Element vieler Experience-Shows, besonders berühmt wird der Vorfall später im Jahr bei Monterey, wo der Stunt auf Film festgehalten wird.
Im Jahr 2008 wird das verkohlte Überbleibsel der Fender Stratocaster, die beim Astoria-Auftritt entzündet wurde, versteigert und erzielt mehr als eine halbe Million Dollar.
https://youtu.be/3U5dvC5qr6Y?si=bERwaCXc_msGUlDf

MUSIKGESCHICHTE(N)

21. März

21. März 1952
Das erste Rockkonzert der Musikgeschichte

1952 erhebt Cleveland Anspruch auf die Rockgeschichte, als der Moondog Coronation Ball in der Cleveland Arena stattfindet. Organisiert von dem WJW-DJ Alan Freed (im Radio als „Moondog“ bekannt), wird er weithin als das erste Rockkonzert angesehen. Es könnte auch eines der kürzesten sein, da es nach nur einem Song abgebrochen wird. Über 25.000 Menschen erscheinen zu der Show, bereit, Bands wie The Dominoes und Tiny Grimes and the Rocking Highlanders zu hören. Das Problem ist, dass die Kapazität der Arena nur 10.000 beträgt. Während die überfüllte Menge versucht, die Barrieren zu durchbrechen, schaffen es Paul Williams und seine Hucklebuckers nicht einmal, einen Song zu spielen, bevor die Polizei von Cleveland, unterstützt von Feuerwehrleuten mit Feuerwehrschläuchen, die Show stoppt. Trotz der Tatsache, dass die Show nie wirklich in Gang kommt, wird sie als das erste Rock and Roll-Konzert angesehen. Cleveland hat seit 1992 jedes Jahr eine Wiederbelebung der Show veranstaltet, bei der klassische Rock- und R&B-Künstler der 1960er und 1970er Jahre auftreten.